Gregen kommt in Wallung…

Ist das bereits der vorauseilende Atem des Frühlings, der den Schnee aus dem Stadtbild entfernt hat? War das gestern nicht ein prachtvoller Tag? Gregen streckte auf dem Balkon die Glieder aus und genoss eine Tasse Kaffee, bekleidet nur mit einer Unterhose und einem leichten Überwurf aus Fleece, einer Übergangsjacke. Es war nicht kalt.

Frühling. Die Zeit, in der wir endlich wieder ins Freie strömen können, um frischen Benzinduft einzuatmen. Es gibt keine kostbarere Jahreszeit. Nach und nach häuten die Menschen textile Schichten vom Körper und was zum Vorschein kommt, gefällt einem sehr. „Ein jeder Frühling ist neue Feier der großen Vereinigung der männlichen und weiblichen Natur.“

„Jawoll!“ ruft man. Die Hormone kommen in Wallung. Dieser Winter hat uns viel zu lange in sein Kettenhemd gezwängt.

 

ritter lustig

Gregen hat schlechte Laune…

Heute hat Gregen, seines Zeichens absolutes Gegenteil von Langeweile, eine schlechte Laune, wie man sie sonst nur im Tunesienurlaub hat, wenn einem beim Tagesausritt in der Sahara unter den Händen gerade das Pferd verdurstet ist. Eine aussichtslose Situation, wobei der Grad der schlechten Laune neben einem verdursteten Pferd eigentlich gar nicht vergleichbar ist, hat man hier immerhin noch die Möglichkeit, das Pferd zu öffnen, die Blase zu suchen und sich so lange an ziegelrotem Pferdeurin zu laben, bis einen Nomaden finden und als Sexsklaven verschleppen.

Depressiver portugiesischer Seemann

Es war 1521. Ich stand mit einer Zigarre an der Kaimauer einer portugiesischen Hafenstadt und schaute sehnsüchtig über den Ozean in Richtung neue Welt. Die Frau an Pest erkrankt, das Kind ein seltsames Mischwesen aus Mädchen und Teufel mit einer Stimme zum Fensterentglasen. Nein, es lief nicht optimal.

Die Seefahrer hatten meine Bewerbung abgelehnt, obwohl sie einen Koch für die Kombüse suchten. Einen Kerl für eine Ozeanüberfahrt ins exotische Brasilien, sagten sie, mehr verrieten sie nicht. War ich ihnen vielleicht zu weibisch? Suchten sie einen, an den sie sich in einem heftigen Sturm hätten aufrichten können, dessen Brusthaar bereitwillig ihre Tränen aufsaugt? Ich schaute an meinem im Wind flatternden Leinenhemd herunter und seufzte.

Auf der Suche nach Zerstreuung ließ ich meinen Blick über die Hafentavernen wandern, vor dessen Türen Erbrochenes in kleinen Pfützen zu sehen war und dampfte…echtes Seefahrererbrochenes, eine Mischung aus Portwein und sehr fettigem Essen.

Ich schaute ein letztes Mal dem ablegenden Schiff nach, das Kostbarkeiten aus Brasilien besorgen sollte und beschloss, in eine dieser Taverne zu gehen und Portwein zu trinken. Ich bezahlte den Rausch mit großen Teilen meines Gehalts und wusste nicht, was Weib und Kind morgen essen sollten, doch diesen ernsten Gedanken ließ mich der Alkohol rasch mit einem gutgelaunten Achselzucken quittieren. Lockerheit war 1521 viel wert in Portugal.

Torkelnd zog ich durch die engen Gassen der Stadt und schaute durch die Fenster in die Stuben. Der übliche mittelalterliche Rinnsaal aus Kot und Urin lief die abschüssigen Straße hintunter und sammelte sich untem im Hafenbecken, wo Algen sich an die Zersetzung machten. Ein Gestank war das…

Plötzlich kam mir ein junger Mann mit pechschwarzen Locken entgegen, der mich von Weitem laut begrüßte. Ich hatte nicht übel Lust, diesem Schreihhals ein paar vors Geschirr zu geben, aber ich hielt mich im Zaum. Er erzählte freudig, dass er zum Hafen gehen und in einer Stunde nach Indien ablegen werde, er sei auf großer Fahrt auf einem Pfefferkahn. Gewürzhandel sei die Zukunft, erklärte er sehr ausführlich, man suche übrigens noch einen für die Kombüse. Meine Augen wurden groß.

Eine Stunde später betrachtete ich die Häuser der Stadt, die sich langsam entfernten. Man hatte mich ohne Murren mitgenommen. Jetzt zeigte mir der erste Offizier die Kombüse. Die Besatzung bestand aus 15 tapferen Portugiesen und der Wind blies kräftig in die Segel. Schwer seufzend versuchte ich noch lange, die Konturen der Stadt am Horizont zu erkennen.

Nach drei Tagen Fahrt wachte ich eines Morgens auf und schaute in die sehr nahen Augen des Steuermanns. Offensichtlich war er nicht bei bester Stimmung. Er zerrte mich an den Haaren an Deck und ich sah Vertrautes…dampfende Haufen Erbrochenes, neben sich krümmenden Seemännern. War denn mit den Muscheln, die die Mannschaft gestern noch gierig in sich hineinschaufelten, etwas nich in Ordnung? Was hatten die Männer die Schärfe gelobt…

Es blieb keine Zeit für Analysen, die Stimmung war ausgesprochen feindselig. Ich bekam einen Tritt in den Rücken, der mich aus dem Gleichgewicht brachte. Ich fiel kopfüber von Bord und schlug hart auf dem Wasser auf, wo mich eine Sekunde später ein Hai lebensgefährlich verletzte. Ich schaute noch seufzend dem Pfefferkahn nach, dann schlossen sich meine traurigen dunklen portugiesischen Augen…

Gregen testet Produkte des täglichen Lebens…

Fans,

Natürlich könnte man denken, dass ein so erfolgreicher und begabter junger Mann wie Gregen ständig etwas Spannendes erlebt, ständig das Abenteuer sucht und sich mit dem Fallschirm fortbewegt. In Wahrheit war Gregen aber gestern abend ganz profan im Waschsalon und hatte sich eine Flasche Weichspüler der Marke Softlan Windfrisch mitgebracht. Das war clever, weil er sich damit die zusätzlichen 60 Cent sparte und so schüttete er einen gehörigen Schuss in das Weichspülerfach, stellte die Maschine an und ging nach Hause. Niemals zuvor hatte er Weichspüler benutzt, war aber letztens beim Öffnen der Waschmaschine enttäuscht über den schalen Geruch der Wäsche.

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Eine lachende Frau mit einer glücklichen Tochter, hier handelte es sich weniger um Weichspülerkonzentrat als um konzentriertes Glück. Gregen, der Produktwerbung ausblendet und nach knallharten Richtlinien entscheidet, griff zu. Lächelte die Kleine nicht, als wäre sie soeben Klassensprecherin geworden wegen ihrer duftenden Pullover?

Kaum war die Maschine geöffnet, bemerkte auch der als Sexsymbol verkleidete Gregen Weichspülergeruch, da nickte er zufrieden in die Trommel hinein. Später roch nicht nur die Wäsche, sondern auch die Wohnung. Dann hatte die Weichspülerkonzentration in der Luft einen Grad erreicht, an dem Gregen, der gerade Essen zubereitete, bemerkte, dass nicht die aufgehängte Wäsche nach Essen roch, sondern das Essen nach Weichspüler.

Und spätestens jetzt war Gregen klar, dass Softlan ein ganz schlimmer Lügenverein ist, denn am nächsten Morgen war die Windfrische einer erdrückenden ganz herben Note gewichen. Hernach machte sich Gregen daran, diesen Geruch zu definieren und er erfand ein Aftershave der Marke Cheap!, benutzt von einem älteren Herrn im Trenchcoat, der seinen Opel Prekariat oft an öffentlichen Parks parkt und dort den Trenchcoat vor Kindern öffnet. Hatte Gregen sich etwa getäuscht? Hatte er womöglich das falsche Produkt gewählt? Ein Bekannter, den Gregen hiermit grüßt, sagte eben: „Also dezent ist was anderes.“

Winter ist Scheisse…

Lange nichts von Gregen gehört, dem sensiblen Dream Boy aus Ostdeutschland.“ Dieser Satz wurde von Müttern in ganz Deutschland in den letzten Tagen häufig über den Abendbrottisch geworfen, wenn der Vater die Kinder wieder mit dem Steakmesser bedrohte, weil ihm irgendwas nicht in dem Kram passte und darüber eine unangenehme Gesprächspause entstand.

Nun, Gregen sitzt seit Wochen am Fenster und wartet auf gutes Wetter. Seine Stirn lehnt an der Scheibe, sein Atem kondensiert am Glas, worauf er mit dem Finger eine kleine Sonne hinein malt, aber es ist grau und kalt. Gegessen wird kaum, höchstens eine Vitaminbrausetablette, die er gelegentlich auf seine Zunge legt. Dann blubbert es aus seinem Mündchen in sein dunkles Zimmer hinein.

„Warum legte er denn eine Brausetablette auf seine Zunge?“, fragen Leser, denen jede Phantasie fehlt und Greg erklärt es: Ohne Vitamine geht das Zahnfleisch zurück. Heutzutage muss man dabei ja nicht mehr tatenlos zusehen wie damals im Mittelalter, wo Seefahrer solange mit Pökelfleisch gefüttert wurden, bis ihnen, als sie gegen den barbarischen Kapitän meutern wollten und ihn anschrien, die Zähne herausfielen wie Glasmurmeln aus einer Schülerhose.

Dann verschlechterte sich die Position der Seeleute enorm, der Kapitän wich zurück und sagte „Uuääh!“ und peitschte mit seiner Peitsche die Zähne von Deck. Die hinterherfliegenden Möwen schnappten danach und fielen tot ins Wasser, denn verfaulte Matrosenzähne sind ein ziemlich ungesunder Snack. Sie taugen höchstens als Bernsteinimitat für selbstgebastelte Halsketten.

Greg wollte nicht, dass seine Zähne aufs Fensterbrett fallen. Greg wollte Sonne. Einmal, als es zwei drei Tage am Stück warm war, es muss im August gewesen sein, da ging er an den Badesee und wäre fast ersoffen. Er durchpflügte das Wasser wie ein Schaufelraddampfer und plötzlich wurde er in den Armen schwach. Es fühlte sich an, als hätte ihm jemand einen Gürtel um den Brustkorb geschnallt oder einen Aal, Greg schaute ans Ufer und dachte „Ist das weit…“

Das war eine Nahtoderfahrung, wie sie unsere Jungs von der Bundeswehr in Afghanistan bis vor kurzem auch nicht spannender hatten, wenn neben ihnen eine Nagelbombe explodierte. Der Unterschied ist nur, dass unsere Jungs nach der Rückkehr ständig eine Kleenex-Packung mitschleppten, während Gregen einfach ein verwegener Typ blieb. „Das ist nicht fair, Greg. Unsere Jungs haben am Hindukusch für unsere Freiheit gekämpft.“ sagt Angela Merkel, die sich gerade mit einem Spanngurt ihren Büstenhalter festzurrt und Greg zärtlich am Ohrläppchen knabbert.

„Ihgitt, Gregen. Das ist ja ekelhaft!“ Der zuckt mit den Achseln und sagt “ Mich erregt eben ihre Macht.“

Weihnachten ist Scheisse.

Der trübe und verhasste Dezember ist erst wenige Tage alt, jener Monat, der bei vielen Alleinstehenden Wehmut auslöst durch die besinnliche Weihnachtszeit, auch bei Gregen, dem lässigen Ossi. Dabei sollten wir Singles eigentlich jegliche Schrulligkeit vermeiden und den Pärchen ihre Zweisamkeit lieber aus flammendem Herzen gönnen – gerade zu Weihnachten.

Haben es diese Pärchen nicht schon schwer genug?

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Lustiges Bild zum Auflockern des ernsten Sujets

Kaum kommen sie zusammen, durchleiden Mann und Frau eine Metamorphose von der Art, dass der Mann vom coolen Single zum Pantoffelhelden herunter mutiert, während die Frau ihre Arme wie eine Glucke um den Pantoffelhelden spannt und zusammenschraubt, so dass höchstens noch Platz bleibt für ein befreundetes Pärchen, mit dem man jeden zweiten Sonntag beim Käsefondue neue Rekorde im Lästern aufstellt.

Weihnachten bei der Unterschicht…

Doch nicht nur für Singles und Pärchen hält die Weihnachtszeit die ein oder andere Unannehmlichkeit parat. Hatte sich nicht beispielsweise der 14-jährige Norris zu Weihnachten die im oberen Preissegment angesiedelten Nike Shox NZ mit eingebautem Schulhof-Respekt gewünscht, als er neulich zum ersten Mal seit zwei Monaten mit seiner Mutter sprach?

Ja, die Mutter nickt und bricht in Tränen aus, dem Vater perlt der Schweiß, während er die Schuhe in Doppelkorn umrechnet. In sozial schwächeren Schichten kommt es gerade im Dezember zu heftigen Diskussionen.

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Weihnachten bei Alkoholikern…

Ohnehin haben es die Alkoholiker am schwersten. Den Rest des Jahres können sie das eigene Scheitern mit dem Studium der größten Flugzeugträger der Welt auf DMAX ausblenden. Zur Weihnachtszeit aber stellen selbst diese letzten Männersender auf Weihnachtsreportagen um.

Dabei kann sich der Alkoholiker noch glücklich schätzen, wenn er überhaupt einen Fernsehapparat hat. Die schweren Fälle, also die, die Weihnachten in Einrichtungen für Bedürftige verbringen, haben noch schwerer daran zu knabbern. Wenn man Glück hat, verteilt die Bahnhofsmission eine kleine Weihnachtstüte. Inhalt: eine Mandarine aus Stahl und Plätzchen…dabei bräuchte der Bedürftige in erster Linie ein warmes Plätzchen unter uns.

Das bekommt er aber nicht und so wird man, vollgefressen am zweiten Weihnachtsfeiertag Geld benötigend, in der Sparkasse wieder diesen scharfen Geruch bemerken, diesen Sporttaschen-artigen, jedoch noch um jene süßliche Schattierung ergänzt, die nur eine mit Afterschweiß gesättigte Unterhose verströmt.

Und schon sieht man die Geruchsquelle am Überweisungsautomaten liegen, weil dort der Heizkörper steht und dann ist man traurig und fühlt sich schlecht. Und spätestens dann ist auch Gregen kein Weihnachtsfreund mehr und genauso wird es bald kommen.

nazi lebenslauf

nazi satire
Ronny war einer, der sich auf Volksfesten kloppte 
und bei dem jede Frauenpartnerschaft floppte.

Auch die Karriere in der Berufsschule stoppte, als er die Migranten seiner Kleinstadt mobbte.

Nun wurde Ronny, der im Strafvollzug hockte, nur gestört von dem Dicken, dessen Analverkehr schockte.