Winter ist Scheisse…

Lange nichts von Gregen gehört, dem sensiblen Dream Boy aus Ostdeutschland.“ Dieser Satz wurde von Müttern in ganz Deutschland in den letzten Tagen häufig über den Abendbrottisch geworfen, wenn der Vater die Kinder wieder mit dem Steakmesser bedrohte, weil ihm irgendwas nicht in dem Kram passte und darüber eine unangenehme Gesprächspause entstand.

Nun, Gregen sitzt seit Wochen am Fenster und wartet auf gutes Wetter. Seine Stirn lehnt an der Scheibe, sein Atem kondensiert am Glas, worauf er mit dem Finger eine kleine Sonne hinein malt, aber es ist grau und kalt. Gegessen wird kaum, höchstens eine Vitaminbrausetablette, die er gelegentlich auf seine Zunge legt. Dann blubbert es aus seinem Mündchen in sein dunkles Zimmer hinein.

„Warum legte er denn eine Brausetablette auf seine Zunge?“, fragen Leser, denen jede Phantasie fehlt und Greg erklärt es: Ohne Vitamine geht das Zahnfleisch zurück. Heutzutage muss man dabei ja nicht mehr tatenlos zusehen wie damals im Mittelalter, wo Seefahrer solange mit Pökelfleisch gefüttert wurden, bis ihnen, als sie gegen den barbarischen Kapitän meutern wollten und ihn anschrien, die Zähne herausfielen wie Glasmurmeln aus einer Schülerhose.

Dann verschlechterte sich die Position der Seeleute enorm, der Kapitän wich zurück und sagte „Uuääh!“ und peitschte mit seiner Peitsche die Zähne von Deck. Die hinterherfliegenden Möwen schnappten danach und fielen tot ins Wasser, denn verfaulte Matrosenzähne sind ein ziemlich ungesunder Snack. Sie taugen höchstens als Bernsteinimitat für selbstgebastelte Halsketten.

Greg wollte nicht, dass seine Zähne aufs Fensterbrett fallen. Greg wollte Sonne. Einmal, als es zwei drei Tage am Stück warm war, es muss im August gewesen sein, da ging er an den Badesee und wäre fast ersoffen. Er durchpflügte das Wasser wie ein Schaufelraddampfer und plötzlich wurde er in den Armen schwach. Es fühlte sich an, als hätte ihm jemand einen Gürtel um den Brustkorb geschnallt oder einen Aal, Greg schaute ans Ufer und dachte „Ist das weit…“

Das war eine Nahtoderfahrung, wie sie unsere Jungs von der Bundeswehr in Afghanistan bis vor kurzem auch nicht spannender hatten, wenn neben ihnen eine Nagelbombe explodierte. Der Unterschied ist nur, dass unsere Jungs nach der Rückkehr ständig eine Kleenex-Packung mitschleppten, während Gregen einfach ein verwegener Typ blieb. „Das ist nicht fair, Greg. Unsere Jungs haben am Hindukusch für unsere Freiheit gekämpft.“ sagt Angela Merkel, die sich gerade mit einem Spanngurt ihren Büstenhalter festzurrt und Greg zärtlich am Ohrläppchen knabbert.

„Ihgitt, Gregen. Das ist ja ekelhaft!“ Der zuckt mit den Achseln und sagt “ Mich erregt eben ihre Macht.“

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